Nachlese zur Leipziger Buchmesse mit Eva Menasse

Eine der interessanten, lesenswerten Bücher, die in den unzähligen Frühjahrsneuerscheinungen Aufmerksamkeit verdienen, ist „Tiere für Fortgeschrittene“ von Eva Menasse, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
In der Reihe NACHLESE LEIPZIGER BUCHMESSE stellt sie dieses im Gespräch mit Buchhändler Carsten Wist am Donnerstag, 30. März um 19 Uhr in der Stadt- und Landesbibliothek vor.
Es sind acht Erzählungen, denen die Autorin jeweils eine kuriose Tiermeldung vorangestellt hat, die sich dennoch fabelähnlich auf die Gattung Mensch beziehen. Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Haie, die künstlich beatmet werden, Enten, die noch im Schlaf nach Fressfeinden Ausschau halten, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen.
Wie in ihrem ersten, hochgelobten Erzählungsband »Lässliche Todsünden« studiert sie ihre Objekte mit einem liebevollen und unerbittlichen Forscherinnenblick. Das besondere Stilmittel sind die unterschiedlichen Perspektiven, mit denen die Figuren beleuchtet werden. Es geht um familiäre Verstrickungen, Abhängigkeiten zwischen den Generationen, Paarbeziehungen.
Ein alter Despot, der sich gegen jede Veränderung wehrt, kann nicht verhindern, dass die Demenz seiner Frau auch die eigene Vergangenheit löscht. Einer engagierten Mutter, die ein muslimisches Kind gegen Anfeindungen in Schutz nimmt, verschwimmen schließlich selbst die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Eine Frau realisiert, wie sehr das Schicksal ihres Vaters sie geprägt hat, in ihren Marotten ebenso wie in ihren tiefsten Ängsten. Und eine Gruppe handverlesener Künstler und Wissenschaftler probt in südländischer Gluthitze eine groteske Revolution.
Man kann sich auch hier wieder von dem großen erzählerischen Talent von Eva Menasse mitreißen lassen, einer Mischung aus pointiertem Witz, Geheimnis und melancholischem Ernst.
Eva

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